M4 · ISO 4063 · 141
Bildungsangebote · Modul M4

Wolframinertgasschweißen — Präzision und Reinheit der höchsten Klasse.

WIG ist das Premium-Verfahren der Schweißtechnik: nicht-abschmelzende Wolframelektrode, reines Inertgas und manuell zugeführter Zusatzwerkstoff — Sie haben volle Kontrolle über jede Naht. Im Modul M4 lernen Sie ein Verfahren, das von der Lebensmittel­industrie bis zur Luftfahrt gefragt ist.

ISO-Norm ISO 4063 · Prozess 141
Werkstoffe Edelstahl · Alu · Titan · Kupfer
Stromart DC− (Stahl) · AC (Aluminium)
Schutzgas Argon · Argon-Helium
Verfahren

Wie funktioniert WIG-Schweißen?

WIG unterscheidet sich grundlegend von MAG und E-Hand: die Elektrode bleibt fest, das Schutzgas ist inert (reaktionsträge), und der Zusatzwerkstoff wird mit der anderen Hand geführt. Vier Schritte erklären das Prinzip:

1

HF-Zündung

Per Hochfrequenz wird der Lichtbogen berührungslos gezündet — ohne Kontakt zwischen Wolframelektrode und Werkstück. So bleibt die Elektrodenspitze sauber und scharf.

2

Wolframelektrode bleibt fest

Anders als bei E-Hand und MAG schmilzt die Elektrode nicht ab. Die Wolframelektrode hat einen Schmelzpunkt über 3400 °C — sie führt den Lichtbogen, ohne sich aufzubrauchen.

3

Inertgas schützt

Reines Argon — oder Argon-Helium-Mischungen — umströmt Lichtbogen und Schmelzbad. Inert bedeutet: keine Reaktion mit dem Schmelzgut. Die Naht bleibt absolut sauber und blank.

4

Zusatzwerkstoff von Hand

Der Zusatzwerkstoff wird als Stab manuell mit der zweiten Hand zugeführt — wie beim Autogenschweißen. Sie steuern Schmelzbad und Materialzufuhr getrennt. Das gibt höchste Präzision.

Wolframelektroden

Vier Elektrodentypen — vier Aufgaben

Reines Wolfram brennt — deshalb werden Wolframelektroden mit Oxiden dotiert, die Zündverhalten und Standzeit verbessern. Vier moderne Typen mit definierter Farbkennzeichnung nach DIN EN ISO 6848:

L

Lanthan-dotiert (WL15/WL20)

Goldene Spitze

Der moderne Universal-Standard. Zündet leicht, hält lange, geeignet für Gleich- und Wechselstrom. In den meisten Werkstätten heute erste Wahl.

DC + AC · Allround
C

Cer-dotiert (WC20)

Graue Spitze

Ideal bei niedrigen Strömen und feinem Material. Sehr stabile Zündung, gerade für Edelstahl­arbeiten an dünnen Blechen besonders geeignet.

Niedrige Ströme · Dünnblech
P

Reines Wolfram (WP)

Grüne Spitze

Speziell für Aluminium- und Magnesium-Schweißen mit Wechselstrom (AC). Bildet beim Schweißen eine charakteristische Kugel an der Spitze — Standard im Alu-Bereich.

AC · Aluminium · Magnesium
Z

Zirkon-dotiert (WZ8)

Weiße Spitze

Hohe Strombelastbarkeit bei Aluminium-Anwendungen, gute Lichtbogen­stabilität bei AC. Für anspruchsvolle Aluminium­arbeiten mit hohen Schweißströmen.

AC · Hohe Belastung · Alu
Anwendungsbereiche

Wo WIG-Schweißen unverzichtbar ist

Überall, wo höchste Nahtqualität, Sichtoptik oder anspruchsvolle Werkstoffe gefragt sind, führt kein Weg an WIG vorbei. Sechs typische Einsatzfelder mit Premium-Anspruch:

Lebensmittel- und Pharmaindustrie

Reinraum-Anlagen, Brauerei- und Molkereitechnik, Pharma-Reaktoren — überall, wo Hygiene und glatte, spaltfreie Edelstahlnähte gefordert sind.

Chemieanlagen und Apparatebau

Druckbehälter, Wärmetauscher, Rohrleitungen für aggressive Medien — WIG-Wurzelnähte mit Schweißprüfung sind hier Standard.

Luft- und Raumfahrt

Strukturteile aus Aluminium und Titan, Triebwerkskomponenten, dünnwandige Bauteile — höchste Anforderungen an Nahtqualität und Reproduzierbarkeit.

Schiff- und Yachtbau

Aluminium-Aufbauten, Edelstahl-Beschläge, Boots- und Tankrümpfe — wo Korrosion und Sichtbarkeit zusammenkommen, ist WIG die saubere Antwort.

Sanitär und Trinkwasser

Trinkwasserleitungen, Sanitärinstallationen, Heizungs- und Wärmesystem-Komponenten — geforderte hygienische Reinheit wird mit WIG zuverlässig erreicht.

Architektur und Sichtbereich

Treppen- und Geländerbau, Edelstahl-Möbel, Designobjekte — Nähte, die anschließend nicht versteckt werden. WIG liefert die Optik, die im Sichtbereich zählt.

Ehrlich gesagt

Stärken und Grenzen des Verfahrens

WIG ist die Premium-Klasse — und kommt mit Premium-Anforderungen. Wer hier sauber arbeitet, kann das auch sichtbar zeigen. Wer Geschwindigkeit braucht, sollte aber zu MAG greifen.

+ Stärken

  • Höchste Nahtqualität: Keine Schlacke, keine Spritzer, keine Poren bei sauberer Arbeit — die Naht ist röntgentauglich.
  • Vielseitige Werkstoffe: Stahl, Edelstahl, Aluminium, Titan, Kupfer, Magnesium — kein anderes Verfahren ist so breit aufgestellt.
  • Auch dünnste Bleche: Ab 0,5 mm möglich — präzise Wärmesteuerung erlaubt Materialien, die mit MAG verbrennen würden.
  • Perfekte Sichtnaht: Glatte, glänzende Oberfläche ohne Nachbearbeitung — Standard im sichtbaren Bereich von Architektur bis Apparatebau.
  • Volle Kontrolle: Sie steuern Hitze und Materialzufuhr getrennt — der präziseste manuelle Schweißprozess überhaupt.

Grenzen

  • Niedrige Geschwindigkeit: Deutlich langsamer als MAG — für lange Nähte und Serienfertigung meist nicht wirtschaftlich.
  • Hoher Übungsbedarf: Zweihand-Koordination und Wärmesteuerung sind die anspruchsvollste Schweißtechnik — Geduld ist Pflicht.
  • Material-Sauberkeit kritisch: Edelstahl muss vor dem Schweißen oft gebeizt oder gebürstet werden — die Naht zeigt jeden Fehler.
  • Komplexere Ausrüstung: HF-Zündung, AC/DC-Umschaltung, Gasflasche, Wolframelektroden — höhere Anschaffung und Komplexität als E-Hand.
  • Nicht im Freien: Argon wird vom Wind verweht — Außenarbeiten erfordern Schutz­zelte oder andere Verfahren.