M5 · EN ISO 9606
Bildungsangebote · Modul M5

TÜV-Schweißprüfung — der Nachweis, der überall zählt.

Mit dem TÜV-Schweißerschein nach EN ISO 9606 weisen Sie Ihre Fertigkeiten unabhängig und nachvollziehbar nach. Der Schein ist bundesweit anerkannt, EU-weit gültig und für viele industrielle Auftraggeber Voraussetzung. Im Modul M5 bereiten wir Sie strukturiert auf die Abnahme vor.

Norm EN ISO 9606-1 (Stahl)
Abnahme Unabhängige TÜV-Prüfstelle
Gültigkeit 3 Jahre · halbjährliche Bestätigung
Geltungsbereich Bundesweit · EU-weit anerkannt
Ablauf

So läuft die TÜV-Schweißerprüfung ab

Die Prüfung hat einen klar geregelten Ablauf nach EN ISO 9606. Vom Anmelden bis zum Schein in der Hand führen vier definierte Schritte — wir begleiten Sie durch jeden einzelnen.

1

Anmeldung & Schweißanweisung

Wir melden Sie bei der TÜV-Prüfstelle an und stellen die Schweißanweisung (WPS) bereit — das Dokument, nach dem geschweißt wird. Werkstoff, Verfahren, Schutzgas, Stromstärke und Positionen sind darin festgelegt.

2

Praktische Prüfung am Werkstück

Sie schweißen das vorgegebene Prüfungsstück — unter Aufsicht des TÜV-Prüfingenieurs. Vorgegeben sind Werkstoff, Position, Naht­art und Schweiß­ablauf. Sie zeigen Ihre Fertigkeit am realen Bauteil.

3

Sichtprüfung & ZfP

Die Naht wird zuerst visuell nach DIN EN ISO 17637 begutachtet. Je nach Prüfung folgen zerstörungsfreie Verfahren — Sichtprüfung, Eindring­prüfung oder Röntgen — die Mängel im Inneren aufdecken.

4

Zerstörende Prüfung & Bewertung

Bei vielen Prüfungen wird das Prüfungsstück mechanisch getestet — z. B. Biege- oder Bruchversuch nach DIN EN ISO 5173. Nach erfolgreicher Bewertung erhalten Sie Ihren persönlichen Schweißerschein.

Prüfungsstücke

Vier typische Prüfungsstücke

Die EN ISO 9606 unterscheidet vier Hauptkategorien von Prüfungsstücken — je nach Naht­art (Stumpf- oder Kehlnaht) und Erzeugnis­form (Blech oder Rohr). Welches Stück Sie schweißen, hängt vom gewünschten Geltungsbereich Ihres Scheins ab.

BW-P

Stumpfnaht am Blech

Zwei aneinander­liegende Bleche werden vollständig durchgeschweißt. Klassiker im Stahl- und Anlagenbau — geprüft werden Wurzeln, Füll- und Decklagen.

Butt Weld · Plate
FW-P

Kehlnaht am Blech

T-Stoß oder Eckverbindung zweier Bleche. Häufigste Naht in Stahlkonstruktionen — Anspruch liegt auf gleichmäßiger Schenkellänge und Wurzeldurchschweißung.

Fillet Weld · Plate
BW-T

Stumpfnaht am Rohr

Zwei Rohrenden werden umfangsverschweißt — meist in Position PF (Steigschweißen) oder H-L045. Standardprüfung für Pipeline-, Druckbehälter- und Sanitärbau.

Butt Weld · Tube
FW-T

T-Stück am Rohr

Anschluss eines Rohrabzweigs an ein Hauptrohr — Kehlnaht in komplexer Geometrie. Anspruchsvoll: räumliche Naht­führung, schwer zugängliche Stellen.

Fillet Weld · Tube
Geltungsbereich

Was auf Ihrem Schweißerschein steht

Der TÜV-Schweißerschein gilt nicht pauschal für alles — sondern für genau den Bereich, in dem Sie geprüft wurden. Sechs Angaben definieren den Geltungsbereich Ihres Scheins:

Verfahren

Welches Schweißverfahren gilt — z. B. 111 (E-Hand), 135 (MAG), 141 (WIG). Der Schein ist verfahrensspezifisch — wer MAG geprüft hat, darf nicht automatisch E-Hand-Aufträge nachweisen.

Werkstoffgruppe

Werkstoffe sind nach DIN EN ISO 15608 in Gruppen (FM1 bis FM11) eingeteilt. Geprüft wird repräsentativ für eine Gruppe — der Schein gilt für alle Werkstoffe dieser Gruppe.

Schweißnahtart

BW (Stumpfnaht) oder FW (Kehlnaht). Stumpfnaht-Prüfung qualifiziert in der Regel auch für Kehlnähte, aber nicht umgekehrt — höhere Prüfung deckt einfachere Nähte ab.

Erzeugnisform

Blech (P) oder Rohr (T). Rohr-Prüfung qualifiziert oft auch für Blech, weil Rohrschweißen anspruchs­voller ist. Umgekehrt gilt das nicht — Blech-Prüfung deckt kein Rohr-Schweißen ab.

Werkstoffdicke

Bleche: Dicke t in Millimetern. Rohre: Durchmesser D und Wanddicke d. Geprüft wird mit einer Mindestdicke — der Schein gilt für einen festgelegten Dickenbereich darüber und darunter.

Schweißposition

PA, PB, PC, PD, PE, PF oder PG. Anspruchsvollere Positionen (z. B. PF Steig oder PE Über-Kopf) decken einfachere mit ab — wer PF geprüft hat, ist auch für PA qualifiziert.

Klartext

Was Ihnen der Schein bringt — und was Sie beachten sollten

Der TÜV-Schweißerschein ist ein wertvoller Karriere­nachweis. Aber er hat auch klare Regeln zu Gültigkeit und Geltungsbereich. Hier die Realität — ehrlich aufgeteilt:

+ Was der Schein bringt

  • Bundesweit anerkannt: Personal­abteilungen in ganz Deutschland kennen und akzeptieren den TÜV-Schein — Bewerbungen sind belegbar.
  • EU-weit gültig: EN ISO 9606 ist europäische Norm — Ihr Schein wird auch im EU-Ausland anerkannt, ohne erneute Prüfung.
  • Beim Arbeitgeber­wechsel gültig: Der Schein ist personenbezogen — er gehört Ihnen, nicht dem Arbeitgeber. Sie nehmen ihn mit.
  • Unabhängige Stelle: Der TÜV ist neutrale Prüfstelle. Das Renommee öffnet Türen bei Lieferanten- und Kunden­audits Ihres Arbeitgebers.
  • Voraussetzung für viele Aufträge: Stahlbau, Druckbehälter, Pipeline und Schienenfahrzeug­bau verlangen den Schein heute als Standard.

! Was Sie beachten sollten

  • Halbjährliche Bestätigung: Alle 6 Monate muss die Schweißaufsicht im Betrieb bestätigen, dass Sie weiter im geprüften Bereich arbeiten — sonst verfällt der Schein.
  • Begrenzter Geltungsbereich: Der Schein gilt nur für den geprüften Bereich — anderes Verfahren, andere Werkstoffgruppe oder Position bedeutet neue Prüfung.
  • Nach 3 Jahren neu: Spätestens nach 3 Jahren ist eine erneute Prüfung notwendig — oder eine Verlängerungsprüfung mit reduziertem Aufwand.
  • Bei Nichtbestehen: Eine Wiederholungs­prüfung ist nach einer kurzen Übungs­phase möglich. Wir analysieren mit Ihnen, wo nachzu­arbeiten ist.
  • Prüfungskosten: Die TÜV-Gebühr kommt zur Schulung hinzu. Bei Förderung durch Agentur für Arbeit oder Jobcenter ist sie meist enthalten.