M2 · ISO 4063 · 111
Bildungsangebote · Modul M2

Lichtbogenhandschweißen — das vielseitigste Verfahren der Praxis.

Das E-Hand-Schweißen mit umhüllten Stabelektroden ist eines der ältesten und flexibelsten Verfahren — und bis heute auf Baustellen, im Stahlbau und in der Reparaturarbeit unverzichtbar. Im Modul M2 lernen Sie Theorie und Praxis am Werkstück.

ISO-Norm ISO 4063 · Prozess 111
Werkstoffe Stahl · Edelstahl · Gusseisen
Stromart Gleichstrom oder Wechselstrom
Positionen Alle (PA, PB, PC, PD, PE, PF, PG)
Verfahren

Wie funktioniert E-Hand-Schweißen?

Beim Lichtbogenhandschweißen entsteht zwischen einer umhüllten Stabelektrode und dem Werkstück ein elektrischer Lichtbogen. Dieser schmilzt Elektrode und Werkstoff — und erzeugt das Schweißgut. Vier Schritte erklären das Prinzip:

1

Lichtbogen zünden

Bei kurzem Kontakt zwischen Elektrode und Werkstück fließt Strom — der Lichtbogen wird gezündet. Temperaturen über 3000 °C entstehen unmittelbar.

2

Schmelzbad bildet sich

Der Lichtbogen schmilzt sowohl das Elektrodenende als auch das Grundmaterial. Geschmolzenes Metall tropft in das gemeinsame Schmelzbad.

3

Umhüllung schützt

Die Elektrodenumhüllung verbrennt und bildet eine Schutzgaswolke um das Schmelzbad — keine externe Gasversorgung erforderlich. Sauerstoff wird ferngehalten.

4

Schlacke deckt ab

Nicht-metallische Bestandteile der Umhüllung bilden eine Schlackeschicht über der Naht. Nach dem Abkühlen wird sie entfernt — die Naht ist freigelegt.

Elektrodentypen

Vier Umhüllungstypen — vier Einsatzgebiete

Die Umhüllung bestimmt die Eigenschaften der Naht: Festigkeit, Optik, Schweißpositionen und Handhabung. Nach DIN EN ISO 2560 unterscheidet man vier Haupttypen unlegierter Stabelektroden:

R

Rutil

Universell einsetzbar, einfach zu zünden und führen, ruhiger Lichtbogen. Schlacke löst sich leicht. Die typische Einsteiger-Elektrode.

Einfache Handhabung · Universell
B

Basisch

Höchste Zähigkeit und Festigkeit der Schweißnaht. Anspruchsvoll im Handling, aber Standard im Stahl- und Anlagenbau bei sicherheitsrelevanten Verbindungen.

Hohe Festigkeit · Stahlbau
C

Zellulose

Tiefer Einbrand, ideal für Wurzellagen und Fallnaht-Schweißen (PG). Standard im Pipeline-Bau und bei dickwandigen Rohren.

Tiefer Einbrand · Fallnaht
S

Spezial

Mischtypen mit speziellen Eigenschaften für besondere Werkstoffe und Anwendungen — etwa zähharte Auftragsschweißungen oder Edelstahlverbindungen.

Sonderanwendungen
Anwendungsbereiche

Wo E-Hand-Schweißen die erste Wahl ist

Die Stärke von E-Hand zeigt sich überall dort, wo Mobilität, Flexibilität und Witterungsunabhängigkeit zählen. Sechs typische Einsatzfelder:

Stahlbau im Freien

Hallen, Brücken, Konstruktionen — auf der Baustelle ohne Schutzgaszufuhr. Wind und Wetter stören das Verfahren kaum.

Reparaturschweißen

Vor Ort am defekten Bauteil — schnell, mobil und ohne aufwendige Gasinstallation. Für Maschinen, Fahrzeuge, Konstruktionsteile.

Pipeline-Wurzelnähte

Mit Zellulose-Elektroden im Fallnaht-Verfahren (PG) — Standard im Pipeline- und Anlagenbau. Tiefer Einbrand, hohe Schweißgeschwindigkeit.

Schwerer Stahlbau

Dickwandige Verbindungen mit basischen Elektroden — höchste Zähigkeit und Festigkeit für sicherheitsrelevante Tragwerke und Anlagen.

Edelstahl-Verbindungen

Mit Spezialelektroden für nichtrostende Stähle — etwa in der Lebensmittel-, Chemie- und Sanitärindustrie, wo Sauberkeit zählt.

Auftragsschweißen

Verschleißschutz und Reparatur durch Aufbringen von Schweißgut auf abgenutzte Oberflächen — etwa an Werkzeugen, Maschinenteilen und Baggerschaufeln.

Ehrlich gesagt

Stärken und Grenzen des Verfahrens

Kein Schweißverfahren ist für alles gleich gut. E-Hand hat klare Stärken — und ebenso klare Grenzen, die Sie kennen sollten.

+ Stärken

  • Mobil und flexibel: Nur Stromzufuhr nötig — keine Gasflaschen, kein Schlauchpaket.
  • Witterungsunabhängig: Wind und leichte Niederschläge stören kaum — ideal für Außenarbeiten.
  • Alle Positionen möglich: Mit passender Elektrode auch über Kopf oder im Steigschweißen.
  • Robuste Ausrüstung: Wenige Verschleißteile, einfache Wartung der Schweißgeräte.
  • Vielseitige Werkstoffe: Von unlegiertem Baustahl bis Gusseisen-Reparatur — die richtige Elektrode finden.

Grenzen

  • Geringere Produktivität: MAG schweißt deutlich schneller — für lange Serien meist nicht die erste Wahl.
  • Schlackebeseitigung: Nach jeder Naht muss die Schlacke entfernt werden — zusätzlicher Arbeitsschritt.
  • Mehr Übung erforderlich: Brennerführung und Lichtbogenkontrolle sind anspruchsvoller als bei MAG.
  • Wechseln der Elektrode: Kurze Schweißzeiten zwischen Elektrodenwechseln — bei langen Nähten unterbrochener Arbeitsfluss.
  • Spritzerbildung: Mehr Schweißspritzer als bei WIG — Werkstück-Nachbereitung kann nötig sein.