Lichtbogen zünden
Bei kurzem Kontakt zwischen Elektrode und Werkstück fließt Strom — der Lichtbogen wird gezündet. Temperaturen über 3000 °C entstehen unmittelbar.
Das E-Hand-Schweißen mit umhüllten Stabelektroden ist eines der ältesten und flexibelsten Verfahren — und bis heute auf Baustellen, im Stahlbau und in der Reparaturarbeit unverzichtbar. Im Modul M2 lernen Sie Theorie und Praxis am Werkstück.
Beim Lichtbogenhandschweißen entsteht zwischen einer umhüllten Stabelektrode und dem Werkstück ein elektrischer Lichtbogen. Dieser schmilzt Elektrode und Werkstoff — und erzeugt das Schweißgut. Vier Schritte erklären das Prinzip:
Bei kurzem Kontakt zwischen Elektrode und Werkstück fließt Strom — der Lichtbogen wird gezündet. Temperaturen über 3000 °C entstehen unmittelbar.
Der Lichtbogen schmilzt sowohl das Elektrodenende als auch das Grundmaterial. Geschmolzenes Metall tropft in das gemeinsame Schmelzbad.
Die Elektrodenumhüllung verbrennt und bildet eine Schutzgaswolke um das Schmelzbad — keine externe Gasversorgung erforderlich. Sauerstoff wird ferngehalten.
Nicht-metallische Bestandteile der Umhüllung bilden eine Schlackeschicht über der Naht. Nach dem Abkühlen wird sie entfernt — die Naht ist freigelegt.
Die Umhüllung bestimmt die Eigenschaften der Naht: Festigkeit, Optik, Schweißpositionen und Handhabung. Nach DIN EN ISO 2560 unterscheidet man vier Haupttypen unlegierter Stabelektroden:
Universell einsetzbar, einfach zu zünden und führen, ruhiger Lichtbogen. Schlacke löst sich leicht. Die typische Einsteiger-Elektrode.
Höchste Zähigkeit und Festigkeit der Schweißnaht. Anspruchsvoll im Handling, aber Standard im Stahl- und Anlagenbau bei sicherheitsrelevanten Verbindungen.
Tiefer Einbrand, ideal für Wurzellagen und Fallnaht-Schweißen (PG). Standard im Pipeline-Bau und bei dickwandigen Rohren.
Mischtypen mit speziellen Eigenschaften für besondere Werkstoffe und Anwendungen — etwa zähharte Auftragsschweißungen oder Edelstahlverbindungen.
Die Stärke von E-Hand zeigt sich überall dort, wo Mobilität, Flexibilität und Witterungsunabhängigkeit zählen. Sechs typische Einsatzfelder:
Hallen, Brücken, Konstruktionen — auf der Baustelle ohne Schutzgaszufuhr. Wind und Wetter stören das Verfahren kaum.
Vor Ort am defekten Bauteil — schnell, mobil und ohne aufwendige Gasinstallation. Für Maschinen, Fahrzeuge, Konstruktionsteile.
Mit Zellulose-Elektroden im Fallnaht-Verfahren (PG) — Standard im Pipeline- und Anlagenbau. Tiefer Einbrand, hohe Schweißgeschwindigkeit.
Dickwandige Verbindungen mit basischen Elektroden — höchste Zähigkeit und Festigkeit für sicherheitsrelevante Tragwerke und Anlagen.
Mit Spezialelektroden für nichtrostende Stähle — etwa in der Lebensmittel-, Chemie- und Sanitärindustrie, wo Sauberkeit zählt.
Verschleißschutz und Reparatur durch Aufbringen von Schweißgut auf abgenutzte Oberflächen — etwa an Werkzeugen, Maschinenteilen und Baggerschaufeln.
Kein Schweißverfahren ist für alles gleich gut. E-Hand hat klare Stärken — und ebenso klare Grenzen, die Sie kennen sollten.