Drahtvorschub & Gasstrom
Der Schweißdraht wird über Rollen aus der Drahtspule kontinuierlich zum Brenner gefördert. Gleichzeitig strömt Schutzgas durch die Gasdüse und verdrängt die Umgebungsluft.
MAG ist das Arbeitspferd der Industrie: kontinuierliche Drahtelektrode, Schutzgas am Brenner und damit Schweißgeschwindigkeiten, die kein anderes manuelles Verfahren erreicht. Im Modul M3 lernen Sie alle vier Lichtbogenarten, Gasvarianten und die Werkstoffe, mit denen Sie in deutschen Industriebetrieben arbeiten werden.
Anders als bei E-Hand wird die Elektrode beim MAG-Verfahren als Drahtspule kontinuierlich zugeführt — und das Schutzgas kommt aus der externen Flasche. Vier Schritte erklären den Ablauf:
Der Schweißdraht wird über Rollen aus der Drahtspule kontinuierlich zum Brenner gefördert. Gleichzeitig strömt Schutzgas durch die Gasdüse und verdrängt die Umgebungsluft.
Sobald der Draht das Werkstück berührt, fließt Strom und der Lichtbogen wird gezündet. Anders als bei E-Hand entsteht der Bogen praktisch von selbst — der Brenner muss nur angesetzt werden.
Der Lichtbogen schmilzt Drahtende und Werkstück. Das Schutzgas — Aktivgas wie CO₂ oder Ar/CO₂-Mischung — schützt das flüssige Schmelzbad vor Sauerstoff und Stickstoff der Luft.
Solange Draht nachgefördert wird, schweißt der Brenner ohne Unterbrechung. Keine Schlacke zu entfernen — die Naht ist nach dem Abkühlen einsatzbereit. Das ergibt die typisch hohe MAG-Produktivität.
Je nach Stromstärke, Drahtvorschub und Schutzgas entstehen unterschiedliche Lichtbogenarten — jede mit eigenen Vorteilen für bestimmte Blechdicken und Schweißpositionen.
Niedriger Energieeintrag, kurze Kurzschlüsse zwischen Drahttropfen und Schmelzbad. Ideal für dünne Bleche und Zwangslagen — geringe Verzugsneigung, gut beherrschbar.
Mittlerer Energiebereich mit tropfenweisem Übergang. Spritzerreich, deshalb in der Praxis meist gemieden — bewusst nur dort eingesetzt, wo es die Anwendung erfordert.
Hoher Energieeintrag, feinster Tropfenübergang in Form eines Sprühregens. Hohe Abschmelzleistung, sehr produktiv — Standard im Stahl- und Anlagenbau bei mittleren bis dicken Blechen.
Gepulster Stromfluss mit definiertem Tropfenablösepunkt — kontrolliert, spritzerarm. Erste Wahl für Aluminiumlegierungen, Edelstahl und Wurzelschweißen mit MIG-Verfahren.
Überall, wo serielle Fertigung, hohe Stückzahlen oder lange Nähte gefragt sind, ist MAG das Verfahren der Wahl. Sechs typische Einsatzfelder in der deutschen Industrie:
Fahrzeugrahmen, Achsen, Karosserieteile — MAG ist Standard in der Fließfertigung. Mit Impulslichtbogen auch hochfeste Stähle und Aluminium beherrschbar.
Träger, Stützen, Verbände — wenn die Halle das Schweißen erlaubt (kein Wind), ist MAG produktiver als E-Hand. Sprühlichtbogen liefert die nötige Nahtgeschwindigkeit.
Stahlmöbel, Heizkörper, Behälter, Gehäuse — alles, was in größerer Stückzahl produziert wird. MAG ist robotertauglich und liefert reproduzierbare Nahtqualität.
Schwerlast-LKW, Baumaschinen, Landtechnik — robuste Konstruktionen mit langen Nähten. MAG schweißt diese in einem Bruchteil der E-Hand-Zeit.
Tanks, Container, Rohrkonstruktionen — innen in der Werkstatt mit voller MAG-Produktivität geschweißt. Wurzelnähte oft im Impulslichtbogen-Verfahren.
MAG ist das Roboter-Schweißverfahren schlechthin — der kontinuierliche Drahtvorschub und die saubere Naht eignen sich ideal für automatisierte Fertigungszellen.
MAG ist nicht für jede Anwendung die richtige Wahl. Wer das Verfahren kennt, weiß auch, wann es nicht passt — und greift dann zu E-Hand oder WIG.