M3 · ISO 4063 · 135
Bildungsangebote · Modul M3

Metallaktivgasschweißen — das produktivste Verfahren für Stahl.

MAG ist das Arbeitspferd der Industrie: kontinuierliche Drahtelektrode, Schutzgas am Brenner und damit Schweißgeschwindigkeiten, die kein anderes manuelles Verfahren erreicht. Im Modul M3 lernen Sie alle vier Lichtbogenarten, Gas­varianten und die Werkstoffe, mit denen Sie in deutschen Industrie­betrieben arbeiten werden.

ISO-Norm ISO 4063 · Prozess 135
Werkstoffe Un- und niedriglegierte Stähle
Schweißzusatz Drahtelektrode (Massiv/Fülldraht)
Schutzgas CO₂ oder Ar/CO₂-Mischgas
Verfahren

Wie funktioniert MAG-Schweißen?

Anders als bei E-Hand wird die Elektrode beim MAG-Verfahren als Drahtspule kontinuierlich zugeführt — und das Schutzgas kommt aus der externen Flasche. Vier Schritte erklären den Ablauf:

1

Drahtvorschub & Gasstrom

Der Schweißdraht wird über Rollen aus der Drahtspule kontinuierlich zum Brenner gefördert. Gleichzeitig strömt Schutzgas durch die Gasdüse und verdrängt die Umgebungsluft.

2

Lichtbogen zündet

Sobald der Draht das Werkstück berührt, fließt Strom und der Lichtbogen wird gezündet. Anders als bei E-Hand entsteht der Bogen praktisch von selbst — der Brenner muss nur angesetzt werden.

3

Schmelzbad entsteht

Der Lichtbogen schmilzt Drahtende und Werkstück. Das Schutzgas — Aktivgas wie CO₂ oder Ar/CO₂-Mischung — schützt das flüssige Schmelzbad vor Sauerstoff und Stickstoff der Luft.

4

Naht wird fortlaufend gezogen

Solange Draht nachgefördert wird, schweißt der Brenner ohne Unterbrechung. Keine Schlacke zu entfernen — die Naht ist nach dem Abkühlen einsatzbereit. Das ergibt die typisch hohe MAG-Produktivität.

Lichtbogenarten

Vier Lichtbogenarten — vier Anwendungsfälle

Je nach Stromstärke, Drahtvorschub und Schutzgas entstehen unterschiedliche Lichtbogenarten — jede mit eigenen Vorteilen für bestimmte Blech­dicken und Schweißpositionen.

K

Kurzlichtbogen

Niedriger Energieeintrag, kurze Kurzschlüsse zwischen Drahttropfen und Schmelzbad. Ideal für dünne Bleche und Zwangslagen — geringe Verzugsneigung, gut beherrschbar.

Dünnbleche · Zwangslagen
Ü

Übergangslichtbogen

Mittlerer Energie­bereich mit tropfenweisem Übergang. Spritzer­reich, deshalb in der Praxis meist gemieden — bewusst nur dort eingesetzt, wo es die Anwendung erfordert.

Übergangsbereich
S

Sprühlichtbogen

Hoher Energie­eintrag, feinster Tropfen­übergang in Form eines Sprühregens. Hohe Abschmelz­leistung, sehr produktiv — Standard im Stahl- und Anlagenbau bei mittleren bis dicken Blechen.

Hohe Produktivität · Dickbleche
I

Impulslichtbogen

Gepulster Stromfluss mit definiertem Tropfen­ablöse­punkt — kontrolliert, spritzerarm. Erste Wahl für Aluminium­legierungen, Edelstahl und Wurzel­schweißen mit MIG-Verfahren.

Aluminium · Edelstahl · Wurzel
Anwendungsbereiche

Wo MAG-Schweißen die Industrie dominiert

Überall, wo serielle Fertigung, hohe Stückzahlen oder lange Nähte gefragt sind, ist MAG das Verfahren der Wahl. Sechs typische Einsatzfelder in der deutschen Industrie:

Automotive und Karosseriebau

Fahrzeugrahmen, Achsen, Karosserieteile — MAG ist Standard in der Fließfertigung. Mit Impulslichtbogen auch hochfeste Stähle und Aluminium beherrschbar.

Stahlbau und Hallenkonstruktion

Träger, Stützen, Verbände — wenn die Halle das Schweißen erlaubt (kein Wind), ist MAG produktiver als E-Hand. Sprühlichtbogen liefert die nötige Naht­geschwindigkeit.

Serienfertigung

Stahlmöbel, Heizkörper, Behälter, Gehäuse — alles, was in größerer Stückzahl produziert wird. MAG ist robotertauglich und liefert reproduzierbare Nahtqualität.

Nutzfahrzeug- und Maschinenbau

Schwerlast-LKW, Baumaschinen, Landtechnik — robuste Konstruktionen mit langen Nähten. MAG schweißt diese in einem Bruchteil der E-Hand-Zeit.

Anlagen- und Behälterbau

Tanks, Container, Rohrkonstruktionen — innen in der Werkstatt mit voller MAG-Produktivität geschweißt. Wurzelnähte oft im Impulslichtbogen-Verfahren.

Robotik und Automatisierung

MAG ist das Roboter-Schweißverfahren schlechthin — der kontinuierliche Drahtvorschub und die saubere Naht eignen sich ideal für automatisierte Fertigungs­zellen.

Ehrlich gesagt

Stärken und Grenzen des Verfahrens

MAG ist nicht für jede Anwendung die richtige Wahl. Wer das Verfahren kennt, weiß auch, wann es nicht passt — und greift dann zu E-Hand oder WIG.

+ Stärken

  • Hohe Produktivität: Schweißgeschwindigkeit ist deutlich höher als bei E-Hand — Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit in der Serienfertigung.
  • Kontinuierliches Schweißen: Kein Elektrodenwechsel, kein Schlackeentfernen — fließender Arbeitsablauf, weniger Stillstandszeiten.
  • Automatisierbar: Ideal für Roboterschweißen und mechanisierte Fertigungszellen — Standard in der Industrie 4.0.
  • Schneller erlernbar: Verzeihender Lichtbogen, einfacher zu zünden — Einsteiger erreichen schneller akzeptable Nahtqualität.
  • Saubere Naht: Bei optimalen Parametern wenig Spritzer, kein Schlackerand — minimaler Nacharbeitsaufwand.

Grenzen

  • Nicht im Freien: Wind verweht das Schutzgas — die Naht wird porös. Für Außenbaustellen kommt MAG kaum in Frage.
  • Aufwendigere Ausrüstung: Gasflasche, Drahtspule, Schlauchpaket — mehr Equipment als bei E-Hand, weniger mobil.
  • Empfindlich bei Verunreinigungen: Rost, Lack, Öl auf der Oberfläche führen zu Poren — Werkstücke müssen sauber sein.
  • Begrenzte Werkstoffpalette: Primär für unlegierte Stähle. Für Edelstahl und Aluminium braucht es Spezialgase und Impulslichtbogen — oder gleich WIG.
  • Zwangslagen anspruchsvoll: Über-Kopf und Steig­schweißen erfordern viel Übung — Schmelzbad ist gut beweglich und kann ablaufen.